Aktionszeitung der Europäischen Märsche gegen Erwerbslosigkeit, ungeschützte Beschäftigung und Ausgrenzung, Oktober 2000

Ein garantiertes Grundeinkommen für ganz Europa

Bereits der erste Aufruf zu Europäischen Märschen gegen Arbeitslosigkeit, ungeschützte Beschäftigung und Ausgrenzung von 1996 forderte in Anknüpfung an die Allgemeine UN-Erklärung der Menschenrechte vom 10.Dezember 1948 ein garantiertes Mindesteinkommen, das jedem Menschen ungeachtet der sozialen Herkunft, ethnischen Zugehörigkeit und Staatsbürgerschaft, des Geschlechts und der sexuellen Orientierung, des Alters und der körperlichen Verfasstheit ein Leben in Würde ermöglicht. Seitdem wurde diese Forderung weiter präzisiert und Gegenstand der Kooperation mit anderen emanzipatorischen Bewegungen.
Im Aufruf der europäischen Koordination des Netzwerkes EuroMärsche zu Aktionen anlässlich des EU-Gipfels und der Regierungskonferenz im Dezember in Nizza heißt es:

Wir schlagen vor, die Höhe eines solchen Mindesteinkommens, das in jedem Land gelten soll, nach Kriterien festzulegen, die die Besonderheiten der einzelnen Länder und verschiedene Maßstäbe für eine Einkommensuntergrenze berücksichtigen:
  • ein gerechter Anteil am gesellschaftlichen Reichtum - 50 Prozent des pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukts;
  • die Befriedigung der elementaren Bedürfnisse, nicht zum Überleben schlechthin, sondern als Teilhabe am gesellschaftlichen Leben;
  • die sozialen Errungenschaften in den einzelnen Ländern, hinter die wir nicht zurückfallen dürfen.

Eine solche Untergrenze muss dem jährlichen Reichtumszuwachs in den Mitgliedstaaten angepasst werden. Reichtum muss endlich von oben nach unten umverteilt werden, damit Menschen in Würde leben können.
Sagen wir der Abwärtsspirale in die Armut den Kampf an! Setzen wir für alle Arten von Einkommen Untergrenzen fest, unter die niemand fallen darf:

  • Sozialleistungen - wir fordern individuelle Mindestleistungen ohne Auflagen und Bedingungen;
  • Löhne - wir fordern einen gesetzlichen Mindestlohn, wo der tarifliche nicht reicht;
  • Renten - wir fordern eine Mindestrente.

 

Aufruf: Für ein existenzsicherndes Einkommen

 
 

Die Argumente für ein solches Mindesteinkommen sind vielfältig und das Spektrum der Akteure, die dafür eintreten, ist breit. Das veranlasste Christophe Aguiton, Sprecher der Märsche, diese Forderungen als Chance für die Bündelung von Kräften wider die herrschende Politik zu erklären. Erwerbstätige in prekären oder geschützten Beschäftigungsverhältnissen und Erwerbslose, Junge und Alte, Frauen und Männer, StaatsbürgerInnen und AusländerInnen, Menschen mit und ohne Behinderungen haben ein Interesse daran, dass Elend und Armut beendet werden und nicht länger drohen.
Dafür hat sich auch der Weltmarsch der Frauen »Gegen Armut und Gewalt« stark gemacht.

Aber im Entwurf der Europäischen Grundrechte-Charta gibt es kein garantiertes Grundeinkommen. Ein Grund mehr, in Nizza zu demonstrieren. Der Arbeitslosenverband, die Arbeitsloseninitiative ALI Thüringen, die Bundesarbeitsgemeinschaft Erwerbslose, EuroMarsch und die Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen Bielefeld haben dazu aufgerufen und gefordert:

  • Dass die sozialen Grundrechte als verbindliches und einklagbares Recht für alle in Europa lebenden Menschen in das Vertragswerk der EU verankert werden.
  • Dass in Europa und in der übrigen Welt ein Mindeststandard für Sozialleistungen, Löhne und Renten eingeführt wird.

Sollen diese Forderungen Wirklichkeit werden, wird auch in Deutschland eine einheitliche unabhängige Arbeitslosenbewegung gebraucht. Ihre Schaffung beginnt mit Kampf für den Erhalt der Arbeitslosenhilfe und ihren Ausbau zu einem garantierten Mindesteinkommen.

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